Kritik!


Was ist Kritik? Eine Frage, der wir uns im ersten Themenheft in Text und Bild, konzeptuell und persönlich widmen. Weil Kritik Verantwortung ist – gegenüber einem Selbst und einem Gegenstand. Kritik stiftet Beziehungen und schafft selbst im Augenblick der Überschreitung von Grenzen noch Verbindungen. Kritisches, das heißt reflektiertes Denken ist produktiv und dynamisch, da es die Wege einer Er- und Begründung aufzeichnet und die Prämissen des eigenen Denkens sichtbar werden lässt. Die Arbeiten der vorliegenden Ausgabe setzten sich auf vielfältige Weise mit Kritik auseinander: Sie lassen die Assoziationen der Betrachter*innen verrückt spielen, indem sie ihnen offen legen, woran sie denken, wenn sie etwas sehen. Sie fragen, wie man sich ihrer sinnvoll und in pragmatischer Hinsicht bedienen kann. Sie bieten das Zündfeuer, das es braucht, um alteingefahrene Kategorien aufzubrechen und diese in einer umfassenden Ansicht für eine neue Lesung freizulegen. Sie fragen danach, ob Kritik nicht immer auch ein stückweit Utopie ist.

DIENADEL NR01

Erschienen: 16. Januar 2013
Auflage: 400
Seiten: 152
Format: 14,8 × 21 cm
ISSN: 2195-9943
Schutzgebühr: 3,– Euro

Redaktion

Annika-Sophie Butt, Tatjana Braklow, Eva Frey, Fabian Lehmann, Sami Qaiser, Anna Elisabeth Riedel, Frederik Rettberg

Cover

Noi Fuhrer

Inhalt

Textbeiträge

(Um-)Wege der Kritik Djenna Wehenpohl

Djenna Wehenpohl bahnt sich in ihrem Essay einen Weg durch die Wirrungen des Kritik-Begriffs. Dabei spannt sie Bezüge zwischen maßgebenden Theorielinien und deren Umgang mit »Kritik«. Besonderen thematischen Schwerpunkt erfährt dabei die Kunstkritik ebenso wie die Frage nach der Möglichkeit kritisch-politischer Kunst. Die Betrachtung des postkolonialen Diskurses im Kunstfeld bildet den Schlusspunkt dieses Essays.

Schlagworte: Bourdieu, Globalisierung, Institutionskritik, Kunstkritik, Postcolonial Studies
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Lang, länger, am längsten. Zbigniew Liberas »Universal Penis Expander« Anna Gerhardt

In ihrem Aufsatz bespricht Anna Gerhardt die Arbeit Universal Penis Expander des polnischen Künstlers Zbigniew Libera. Aus einer gendertheoretischen Perspektive liest sie Liberas Arbeit als Kritik an sozial konstruierten Körpernormen und Geschlechtsidentitäten. Im Zentrum steht dabei die Frage nach den Möglichkeiten und Formen von Kritik in Kunst und Wissenschaft.

Schlagworte: Butler, Foucault, Gender, Kunst, Subjekt, Zbigniew Libera
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Dekonstruktion der heteronormativen Beziehung. Eine Analyse des Films »Drei« Lucia Graf

In ihrer kritischen Filmanalyse widmet sich Lucia Graf dem Film Drei (2010) von Tom Tykwer. Sie fragt, wie das Bild der traditionellen heteronormativen Beziehung im Film aufgebrochen, verschoben und (re-)produziert wird. Dies geschieht in der Auseinandersetzung mit der Darstellung von Polyamorie, Homo- und Bisexualität sowie der traditionellen Zweierbeziehung.

Schlagworte: Butler, Film, Gender, Queer-Theory, Polyamorie, Tom Tykwer
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Geäußerte Künstlerkritik der Gegenwart: Das politische Potenzial einer »Relationalen Ästhetik« Mona Wischhoff

Nicolas Bourriaud suchte partizipative Kunst zu re-kategorisieren und deren kritisches Potenzial hervorzuheben. Hierfür prägte er den Begriff der Relationalen Ästhetik. Mona Wischhoff zeigt in ihrem Beitrag die Unzulänglichkeiten in Bourriauds Typologisierung auf. Dabei verweist sie auf die Reaktion Claire Bishops, die dem eindimensionalen Verständnis einer »politisch wirkmächtigen, weil partizipativen Kunst« widerspricht.

Schlagworte: Claire Bishop, Künstlerkritik, Nicolas Bourriaud, partizipative Kunst, Relationale Ästhetik
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Musik und Utopie bei Ernst Bloch Robin Becker

Robin Becker fragt nach der systematischen Verschränkung von Musik und Utopie in der Philosophie Ernst Blochs. Im Zuge dessen arbeitet er heraus, welche geschichtsphilosophischen und gesellschaftstheoretischen Grundlagen Bloch für die Konzeption der Musik als Hoffnungs- und Utopiemöglichkeit entwirft.

Schlagworte: Bloch, Kritische Theorie, Musik, Philosophie, Utopie
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Werkschau

Was ist die Falte und was verbirgt sie? Kirsten Achtermann gen. Brand

Interview

Round Table Kunstkritik. Ein Gespräch mit Sebastian Körbs, Miriam Rausch und Kirsten Achtermann gen. Brand

Im Sommer 2012 hat die Redaktion von DIENADEL ein Interview mit den Braunschweiger Studierenden der Bildenden Kunst Miriam Rausch, Sebastian Körbs und Kirsten Achtermann gen. Brand geführt. Im Gespräch reflektieren die Künstler*innen die Gattung der Kunstkritik hinsichtlich ihrer potentiellen Gefahren und ihres Nutzens und widmen sich der Problematik des Schreibens über Kunst.

Schlagworte: Autorschaft, Definitionshoheit, HBK Braunschweig, Kunstkritik, Kunstpraxis
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Kunstkritiken

Das, was es ist Lisa Otto

»Häkeln, Fäden, Linien, Striche« sind die Arbeitsweisen, Materialien und Formen, die Ina Prellwitz mal als filigrane und detailreiche Federzeichnung auf Papier bringt, mal mit Hilfe der Nähmaschine in Stoffgewebe übersetzt. Ihre Inspirationsquellen sind dabei so divers wie ihr Oeuvre, dass sie souverän zwischen Handwerk und Kunst verortet.

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Warten auf den Knall. Oder: Miriam Rauschs Theater physikalischer Kräfte Fabian Lehmann

Fabian Lehmann nimmt sich den performativen Versuchsaufbauten der Kunststudentin Miriam Rausch an und versucht die dynamischen Installationen mit Worten aus der Welt des Theaters und der Physik zu benennen. So begibt er sich auf die Suche nach dem Ursprung der (physikalischen) Spannung in Rauschs Arbeiten.

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Vervielfachung Verdeckung Verdunklung. Strategien der (Un-)Sichtbarkeit bei Sebastian Körbs Eva Frey

Kolumne

Kultur und Natur #1 Peter Gogik